Kaffee & Gesundheit: Üble Trends im Lebensmittelmarkt

Lebensmittel werden zunehmend wie Arzneimittel beworben: “Abnehm-Kaffee” mit verbotenen Substanzen, die Staatsanwaltschaft ermittelt und der GreenBlend-Instant vonNestlé soll medizinisch wirken. Zusatzstoffe sind auf dem Vormarsch, für teures Geld sollen wir uns gesund, schön und fit futtern.

Die Firma Imperia Elita mischte den verbotenen Wirkstoff Sibutramin in ihren Instantkaffee “Vitaccino”, das enthüllte hr-online Ende Februar 2011. Vermarktet wurde der lösliche Kaffee als Appetitzügler zum Abnehmen. Sibutramin ist ein verschreibungspflichtiges Psychopharmakon, das aber wegen erheblicher Nebenwirkungen vom Markt genommen wurde: Schweißausbrüche, Herzrasen, Schlaflosigkeit treten auf, Todesfälle werden damit in Verbindung gebracht. Beim Anbieter www.blaupille.com erhält man 15 Tütchen für stolze 49.90€. Die Lebensmittelaufsicht mußte nach Verbraucherbeschwerden einschreiten, die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits.

Es grünt so grün bei Nestlé

Nestlé wirbt für seinen GreenBlend Instantkaffee mit der Wirkung von Antioxidantien gegen die krebsverursachenden “freien Radikale”. Dazu wird eigens 1/3 der Kaffeedose nicht mit teurem gerösteten Kaffee, sondern mit billigerem grünem Rohkaffee gefüllt, der noch mehr von diesen Substanzen enthält.

Antioxidantien sind nicht in jedem Fall positiv

Am 18.02.2011 meldete die Frankfurter Rundschau: “Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmittel / Riskante Vitaminpräparate”.  Diese werden häufig auch wegen ihrer antioxidativen Wirkung angepriesen, die darin besteht, angriffslustige Sauerstoffmoleküle zu neutralisieren und damit krebsvorsorgend zu wirken. Mittlerweile, so die F.R. weiter, hat aber das Weizmann-Institut in Israel festgestellt, daß zuviel des Guten ins Negative umschlägt. Viel hilft eben nicht unbedingt viel. Solche Stoffe haben nie nur eine einzige Wirkung und der zunächst begrüßte Effekt kann auf anderen Gebieten deutlich negativ überlagert werden. So auch bei den Antioxidatien: Sie scheinen die Fruchtbarkeit bei Frauen zu reduzieren und man überlegt schon sie zum Ausgangspunkt für Mittel zur Geburtenkontrolle zu machen.  Bei Sportlern wurde beobachtet, daß die durch Vitamine aufgenommenen Antioxidantien  den durch Bewegung erzielten Trainingseffekt wieder zunichte machen können.

Zunehmend erkennt man auch, daß der Körper ein gesundes eigenes Gleichgewicht gegenüber freien Radikalen durch Obst und Gemüse bekommt und daß eine künstliche Reduzierung der “Radikale” eher schaden kann. Sie hätten “wichtige Funktionen, die man nicht ganz unterdrücken sollte”, so wird das Deutsche Institut für Ernährungsforschung zitiert.

Kaffee bei den Osmanen Heilmittel

Kaffee galt bei den Osmanen eigentlich als Arzneimittel, als solches lernten es die ersten Orientreisenden auch kennen. Die Mediziner in Europa verteufelten das Volksheilmittel jedoch, weil sie ihre Felle davonschwimmen sahen. Auf diesem Hintergrund hatte der Kaffee jahrhundertelang ein schlechtes Image: Man trank ihn “trozdem”. In den letzten 10 Jahren sind sehr viel Metastudien zu bisherigen Untersuchungen über Kaffee erschienen, d.h. man faßte alles bisher untersuchte nochmal zusammen und dabei kam zutage, daß bei Kaffee die positiven Wirkungen durchaus überwiegen, wenn auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen natürlich vorsichtig sein müssen. Der Deutsche Kaffee-Verband hat in Verbindung mit dem Grünen Kreuz eine Broschüre hierzu erstellt. Zusammengefaßt wird dort folgendes ausgesagt:

Die Positivliste des Deutschen Kaffeeverbandes

Kaffee hatte seit seiner Einführung in Europa stets Befürworter und auch extreme Gegner. Viele der  lang tradierten aber unwissenschaftlichen Thesen der Kaffeegegner sind in den letzten Jahren auf den Prüfstand der Wissenschaft gekommen und wurden in tausenden Studien revidiert. Dennoch sollten natürlich Menschen, die gesundheitlich vorbelastet sind vorsichtig sein und im Zweifelsfall ihren Arzt befragen.

Ergänzend sollte man wissen, daß Kaffee bei zu hohem Alkoholgenuß nicht ausnüchternd wirkt!

Links zum Thema:

www.kaffee-wirkungen.de (sehr umfassend)
http://dgk.de/
http://www.kaffeeverband.de/

Veröffentlicht am 1. März 2011 um 00:10 von röster · Permalink
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